Archiv für den Monat Oktober 2016

Sonderbar: Sondergerichtsbarkeit, CETA und wir

Freier Handel. Handelsabkommen. Das ist was Feines. Da sind wir doch alle dafür. Freihandelsabkommen. Prima. Wer soll da was dagegen haben? Gegen Abkommen für den freien Handel? Ohne Zölle oder so. Grenzenlos sozusagen. Sogar die Wallonen haben jetzt eingesehen, daß grenzenlos frei  eine tolle Sache ist. Haben da noch ein paar Ein-schränkungen und Sonderrechte ausgehandelt, für die Bauern halt, egal.Grenzenlos frei  – oder wie unser Wirtschaftsminister sagt, die Globalisierung ist jetzt endlich beim kleinen Mann und der kleinen Frau angekommen (also bei Menschen wir Du und ich?!), weil es nämlich Arbeitsplätze regnet, daß es nur so eine Freude ist. Ceta – ein Schlaraffenland. Ist es nicht herrlich…..

Alles könnte so schön sein, wenn da nicht –  wie soll ich es sagen – ähm, tja, also  einen Pferdefuß hat die ganze Sache, leider. Und das ist die sogenannte Sondergerichtsbarkeit. Sondergerichtsbarkeit? Was hat denn diese neue wunderbare Freiheit mit einer Sondergerichtsbarkeit zu tun?  Ja also, es geht um Profite.  Weil , wenn uns die Unternehmen schon diese wunderbare neue Welt bereiten, dann müssen die doch auch uneingeschränkt verdienen können. Finden die. Und das haben sie mal eben in CETA so festgelegt. Und auf den Punkt gebracht: Es ist halt eine Sondergerichtsbarkeit für Profite?!  Sondergerichtsbarkeit für Profite? Echt jetzt? Hat man sowas schon mal gehört? Da dürfen Unternehmen klagen, wenn Staaten Gesetze erlassen, die ihren Profit einschränken. Klagen auf entgangenen Gewinn! Hallo? Ist da jemand?

Nehmen wir mal das Beispiel: Gentechnik. Genveränderte Pflanzen. Da sind wir Deutschen pingelig. Das haben wir nicht so gerne. Da haben wir gesetzliche Regelungen für. Ja, und wenn jetzt der Kanadier kommt, und bei uns seine genmanipulierten Pflanzen nur nach deutschen Gesetzen anbauen darf, ja, dann entgeht ihm halt Gewinn. Logisch, oder? Und dann kann der nach CETA in Zukunft klagen! Geht’s noch? Sollen wir jetzt glauben, daß Kanadier sowas nicht machen, weil die nett sind? Oder was? Und wieso wird da 7 Jahren an dem Abkommen gefeilt und gearbeitet – und das Thema Sondergerichtsbarkeit läuft sozusagen irgendwie mit? Da regt sich keiner so richtig auf, das müssen wir schlucken? Kann doch wohl nicht wahr sein! Und unsere Politiker – haben die es nicht verstanden? Oder sind die so gut verbandelt mit der Wirtschaft, daß es ihnen egal ist, was das bedeuten kann? Oder kriegen sie es nicht geregelt? Oder denken die, wir warten mal ab, vielleicht merkt’s keiner???

Es gibt allerdings noch Hoffnung, und die trägt  rote Roben. Liebe Richter vom Bundesverfassungsgericht, seht zu, daß die diese Sondergerichtsbarkeit vom Tisch kommt. Sonst fordere ich für entgangenes Vertrauen in die Politik – natürlich eine Sondergerichtsbarkeit! Für mich!

 

Das Gehirn, Smileys, Noten – und wie da was wirkt!

Schon mal der Sohn oder die Tochter nach Hause gekommen, und war total am Boden zerstört? Und sagt: „Ich habe wieder kein Smiley bekommen!“  Statt Noten gibt’s nämlich in fortschrittlicheren Schulen Smileys, aber eben nicht die smilenden Sileys, sondern, wenn was nicht so dolle war, die 😑ausdruckslosen Smileys. Mund zu nem Strich zusammengepresst, guckt, als wäre man was Ekliges am Jackenärmel. Bäh. Auf jeden Fall nichts, was man gerne anguckt. Einfach schlecht halt. Ja, das macht bei Kindern so richtig Motivation!!! Wenn die sich schlecht fühlen. Ja super!  Die sagen dann: „Ich kann das sowieso nicht,  ich bin doof“. Danke, du mieses Smiley, du!. Schon mal gehört, dass Kinder mit wenig Selbstbewusstsein schlecht oder gar nicht lernen? Und dann die Resultate entsprechen sind? Macht nichts, sagt der Lehrer,  und gibt wieder ein 😑. Und dann  weiter so 😑😑

…..Liebe Pädagogen, macht Euch doch mal klar, wie Gehirn geht! Da gibt’s was, das nennt sich das limbische System. Der Sitz der Emotionen sozusagen. Ein schneller mächtiger Teil des Gehirns , der springt auf Bilder an !!!  So wie das Smileys eines ist. Das Smiley erzeugt unmittelbar sofort und ungefiltert Gefühle! Zack – und volle Kanne mittenrein in den emotionalen Solarplexus! Das macht traurig und hilflos! Das tut weh! Die Note, die ist blöde, ist aber ne Zahl, anderer Teil des Gehirns, lange nicht so mächtig, wie besagtes limbisches System. Wenn schon Smileys, dann auf jeden Fall für jeden ein richtiges 😊. Eines! muss! sein! Und dann kann ja aufgestockt werden, bis fünf 😊😊😊😊😊…. Sonst: siehe oben!

Also: Da hat man ja was gut gemeint. Aber leider nicht gut gemacht. Das ist nur schwarze Pädagogik im neuen Kleidchen. Bäh. Dafür gibt’s von mir  😑😑😑 😑😑😑 😑😑😑😑!

 

Danke lieber Gott für die Erschaffung des Smartphones!

Heute früh in der U-Bahn – genau zu der Zeit, zu der man nicht fahren sollte: 7.30 h. Abfahrt von einem Kölner Vorort in Richtung Zentrum. Die U-Bahn ist pickepacke voll – mit Menschen, die zur Arbeit fahren – wenigen –  und vor allem mit unglaublich vielen Kindern und Jugendlichen mit Ranzen, Rucksäcken und vor allem:  Smartphones.

Ich weiß, es gibt Menschen, die finden Smartphones eine Pest. Die denken, es wäre absurd, miteinander zu chatten, wenn man sich doch gegenüber sitzt. Oder amüsieren sich über das Gerenne durch die Stadt, Augen auf dem Smartphone, zack! ein Laternenpfahl! huch, ein Fußgänger! autsch – ein Fahrrad!  Andere Menschen – die wollen nur an meinen Pokémon….weg da!  Das finden andere bescheuert, die sind da kritisch, halten die Benutzer für Junkies, bisschen beschränkt, fürchten emotionale, soziale und Hirn-Verarmung.

Ich sehe das anders. Nach meiner U-Bahn-Fahrt weiß ich jetzt: Smartphones sind Klasse! Wenn man früher um diese Zeit U-Bahn fuhr, da hatte es im Wagen den Geräuschpegel eines vollbesetzten Schwimmbads, alles auf kleinstem Raum.  Geschrei, Gebrüll, Gerempel, Kreischen, das volle Programm an Geräuschen in einer Lautstärke, die es in sich hatte. Das hat sich geändert: im dem Waggon herrschte eine wunderbare Stille. Die Kids schreien nicht rum, die Jugendlichen unterhalten sich auch nicht und selbst die Erwachsenen telefonieren nicht, sondern  tippen auf ihren Geräten rum. Es gab in diesem Waggon einen, einzigen kleinen Jungen,  der hatte was zu lesen in der Hand! Zwar einen Comic, aber immerhin! Aus echtem Papier!  Der Arme! Hat bestimmt Eltern, die ihm noch kein Smartphone erlauben! Die wollen, daß er liest! Oder wenigstens Comics guckt.  Das hat er aber nicht  gemacht, sondern versucht, mitzukriegen, was auf dem  iPad des ungefähr 8jährigen Sitznachbarn lief….. ach ja. Jedenfalls es war Ruhe. Angenehme Stille. Ganz anders als in dem Bus, in den ich dann gestiegen bin. Mit einer rührigen Rentnertruppe. Die haben geredet! Die haben gelacht! Das war Hölle! Lärmtechnisch gesehen….

Ich kann nur sagen:  Danke, lieber Gott für die Erschaffung des Smartphones.

Hundeerziehung oder: wenn der Donald mit dem Vladimir …

Nach dem Pas-de-Deux von Hilary und Donald gab es ja viele Meinungen, auch solche aus dem Volke, sprich, von Menschen wie Dir und mir. Oder Du und ich? Na, jedenfalls wir beide. Einer meinte: Trump ginge gar nicht, weil, wenn der dann auf Putin träfe, das gäbe ne Katastrophe. Und da fielen mir zwei Rüden ein. Aus der Nachbarschaft. Also reale männlich Hunde. Ein Schäferhund und ein Herdenschutzhund. Und die haben’s drauf: Status machen, Dominanz rauskehren, jede Menge Geknurr und Gebell, Angriff, wenn einer sich nicht sofort auf den Rücken legt, das volle Programm. Tja….Vladimir und Donald. Könnte ja sein, die verstehen sich super. Die Verachtung von Schwächeren, vermeintlich und real Andersartigen, die Egomanie – ich bin das Zentrum des Universums – , die Überzeugung, demokratische oder überhaupt Regeln sind für Doofe, sachliche Argumente spielen keine Rolle, der eine reitet mit nacktem Oberkörper, der andere zeigt Frisur. Wenn die sich träfen, was würde gehen? Saufen? Sauna? Frauenwitze? Schwadronieren auf jeden Fall! Mit einem Unterschied: Donald ist naiv, politisch ahnungslos, kennt die Regeln nicht und verachtet sie. Vladimir ist Stratege, politisch versiert, kennt die Regeln und verachtet sie auch. Und da hat der Mann mit der Meinung eben vielleicht doch recht mit der Katastrophe – , weil, die sind ja leider nicht auf dem Hundeplatz! Also nix mit „Sitz! Platz! und Bleib!“